Intervallfasten 16:8 im Check: Was sagt die Studienlage zum Trend-Rhythmus?

Beim Intervallfasten 16:8 isst man in einem bestimmten Zeitfenster und fastet die restliche Zeit über. Sprich: Von 12 Uhr bis 20 Uhr (also 8 Stunden lang) darf gegessen werden und anschließend ist 16 Stunden hungern angesagt. Dabei kann jeder selbst bestimmen, wann er 8 Stunden lang am Tag essen „darf“. Das ist das ganze Prinzip und ziemlich simpel. Richtig? Falsch.

Es kommt selbstverständlich auch darauf an, wann, was und vor allem wie viel man isst. Diese zusätzlichen und vor allem entscheidenden Faktoren werden von vielen 16:8 Intervallfastenden komplett außer Acht gelassen. Es ist also keine Zauberformel, mit der man einfach so zu seinem Traumgewicht kommt und/oder mega gesund lebt. Einige schwören darauf, dass dieser spezielle Stoffwechselrhythmus die ultimative Diät sei, während andere das Intervallfasten 16:8 als absolut ungesund einstufen und ablehnen.

Vor einigen Jahren herrschte ein regelrechter „16:8-Hype“, der mit Social Media und einiger Aussagen großer Filmstars befeuert wurde. Wenn der Wolverine-Darsteller in einem Interview sagt, er sehe fast nur wegen des Intervallfastens 16:8 so durchtrainiert aus, dann hat das selbstverständlich großen Einfluss auf die Masse. Mittlerweile ist es aber schon längst kein Hype mehr, sondern ein fest verankertes Essverhalten in vielen Haushalten weltweit.

Es gibt Studien, die angeblich belegen, dass diese Variante des Fastens sehr ungesund für das Herz sei. Andere wiederum sollen beweisen, dass der zellreinigende Effekt sich extrem positiv auf unsere Gesundheit auswirkt. In diesem Artikel wird die Evolution des Intervallfastens 16:8 näher beleuchtet, um zu verstehen, was hinter dieser Form des Fastens wirklich steckt und was die Wissenschaft dazu sagt.

2013-2019: Wie Superstars das Intervallfasten „entdeckten“

Im Jahre 2013 hat uns Hugh Jackman auf diese Form des Fastens hingewiesen. 2018 war es dann Eckart von Hirschhausen, der öffentlich behauptete, dass er mithilfe des Intervallfastens 16:8 innerhalb von 3 Monaten 10 Kilogramm verlor. 2019 dann Jennifer Aniston, die das angebliche Hollywood-Beauty-Geheimnis enthüllte und das Intervallfasten 16:8 somit zum absoluten Trendhype machte.

Selbstverständlich wurde hierbei nicht genau erwähnt, welche Substanzen die Promis sonst noch zu sich nahmen, wieviel Sport sie nebenher trieben, was genau sie in ihren „erlaubten“ 8 Stunden täglich aßen und ob sie es auch über einen längeren Zeitraum tatsächlich diszipliniert durchzogen. Aus diesen Gründen sollte man auch bei Aussagen seiner Lieblingsstars eventuell vorher ein wenig nachdenken, ehe man auf derartige Hype-Trains aufspringt.

2016: Der Nobelpreis als wissenschaftlicher Startschuss

Der Japaner Yoshinori Ohsumi erhielt den Nobelpreis für seine Forschung zur Autophagie. Der Begriff Autophagie kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „sich selbst verzehren“. Dabei werden alte und beschädigte Zellen abgebaut und durch frische ersetzt. Dies bewies der Japaner an Hefezellen, die bei Nährstoffmangel anfingen sich selbst zu reinigen. Obwohl es sich hierbei nicht um menschliche Zellen handelt und es bei Ohsumis Experimenten auch keinen 16:8 Rhythmus gab, benutzten Influencer in den sozialen Medien seinen Erfolg als ultimativen Beweis für die Wirksamkeit des 16:8-Fastens.

2024–2025: Die große Ernüchterung durch eine Langzeitstudie

Im März 2024 gab es fürs Intervallfasten 16:8 einen mächtigen Dämpfer. Folglich auch für diejenigen, die sich seit vielen Jahren in diesem 8-Stunden-Rhythmus ernährten. In einer Schlagzeile der American Heart Association heißt es, dass die Einhaltung dieser speziellen Methode des Fastens ein 91 % höheres Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeute. Hierzu wurden in einer Studie zum Thema 20.000 US-Bürger jahrelang untersucht.

Daraufhin haben nicht nur Wissenschaftler angeprangert, dass die Probanden dieser Studie in einem Zeitraum von insgesamt 15 Jahren nur an 2 Tagen gefragt wurden, was sie denn vor einem Tag gegessen haben und wann. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die hier nicht beachtet wurden. Die Schock-Studie basiert also auf einer Momentaufnahme. Daraus eine lebenslange Gefahr abzuleiten, ist wissenschaftlich gesehen höchst fragwürdig. Kurz darauf bestätigten ähnliche Langzeitstudien (u.a. im New England Journal of Medicine), dass der 16:8-Essrhythmus beim reinen Fettverlust nicht besser abschneidet als normales Kalorienzählen.

2026: Was bleibt vom 16:8-Hype übrig?

Der Cochrane Review hat alle bisherigen Thesen und Meinungen zum Intervallfasten 16:8 beleuchtet und ist zum folgenden Ergebnis gekommen: Bei dieser Form des Fastens wird nicht mehr Fett verbrannt, als beim normalen Kalorienzählen. Es ist also egal, ob man über den Tag verteilt isst oder in einem 8-Stunden-Fenster. Stattdessen hebt die Analyse hervor, dass es sich bei 16:8 eher um eine Art Disziplin-Tool handelt. Wer sein Frühstück weglässt, spart somit täglich etwa 500 Kalorien. Allein dieser Faktor erleichtert die Gewichtsabnahme.

Was die Autophagie angeht, so ist es laut „Nature Cell Biology“ tatsächlich wahr, dass sich auch der menschliche Körper in der Fastenzeit effizienter selbst „repariert“. Es ist jedoch logischerweise wichtig, was genau man in den 8 Stunden isst. Wer sich mit Fast Food vollstopft, braucht sich dank des anschließenden Insulinschocks nicht zu wundern, dass der Körper im Entzündungsmodus bleibt und die vorige 16-Stunden-Regeneration direkt zunichte macht.

Fazit: Das Intervallfasten 16:8 ist kein Wunder, aber ein gutes Werkzeug

16:8 ist eine gute Anlaufstelle für Abnehmwillige, aber mit Sicherheit keine leichte Abkürzung in Richtung gesundes Leben. Diese gibt es nämlich einfach nicht. Man kann 16:8 als eine Art psychologischer Hack bezeichnen, denn wer das Abendessen oder Frühstück einfach überspringt und sich ansonsten überwiegend gesund ernährt, kann selbstverständlich überschüssiges Fett im Körper verbrennen. Das wussten wir jedoch schon vorher und man kann wohl ruhigen Gewissens sagen: Wem es als geistige Stütze etwas nützt, der soll das Intervallfasten 16:8 auf jeden Fall durchziehen. Immerhin ist es unser Glaube an etwas, der letztendlich die Realität beeinflusst.