
Vor mehr als 200 Jahren, 1818, veröffentlichte Mary Shelley (zunächst anonym) ihren berühmt gewordenen Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“. Er gilt als eines der frühesten Beispiele der Science-Fiction-Literatur. 200 Jahre später ist aus dieser Fiktion Realität geworden: Der moderne Frankenstein ist die Künstliche Intelligenz oder einfach KI.
Es scheint den Menschen zu fuchsen, dass er nicht selber jener Gott ist, der die Welt laut Bibel erschaffen hat. Dabei ist er doch so intelligent – das angeblich intelligenteste aller lebenden Wesen auf unserem Planeten. Zumindest ist er erfinderisch: Er hat die Dampfmaschine erfunden, Fabriken gebaut, das Auto entwickelt und die elektronische Datenverarbeitung. Aber sein Ehrgeiz war noch größer: Er hat es geschafft, Schafe zu klonen und viele weitere Haustiere, unter anderem wertvolle Zuchtbullen. Prinzipiell könnte die Menschheit mittlerweile sogar ihre eigene Genetik gestalten, aber das hat ethische Grenzen und erforderte einen riesigen praktischen Aufwand. Zudem sind die derzeit rund acht Milliarden Menschen auf unserem Erdball offensichtlich ohnehin zu viele, wie die Klimabilanz zeigt.
Aber weil unsere Art unbedingt den Schöpfungsakt übernehmen will, hat sie die KI entwickelt. Damit können nicht nur menschliche, sondern sogar übermenschliche Fähigkeiten Realität werden, ohne dass unsere biologische Existenz dafür eine Voraussetzung wäre. Im Gegenteil: Es sieht so aus, als ob die KI uns Menschen überflüssig machen könnte, wenn sie nicht konsequent reguliert wird. Sobald sie gelernt hat, wie die erforderlichen Mengen an elektrischem Strom zu produzieren sind, ohne die es sie nicht geben kann, hätte sie die Möglichkeit, autonom zu agieren. Dann würden sämtliche biologischen Existenzformen nicht nur verzichtbar, sondern für die KI hinderlich. Zweifellos wäre es dann ihr Ziel, die Biologie abzuschaffen – also nicht das Schulfach, sondern das Leben auf unserem Erdball.
Unter diesem Blickwinkel wäre es gleichgültig, ob eine rechtsradikale Partei die Macht im Land übernimmt – auch sie würde von der KI hinweggerafft. 300.000 Jahre Homo Sapiens wären dann vorbei – ohnehin nur ein Klacks in der rund 4,6 Milliarden Jahre währenden Erdgeschichte. Wir wissen, dass 99,9 Prozent aller jemals gelebt habenden Arten ausgestorben sind. Jeden Tag sterben nach seriösen wissenschaftlichen Schätzungen 130 – 150 Pflanzen- und Tierarten aus, also rund 50.000 Arten pro Jahr! Niemand kann ernsthaft annehmen, dass dieses Schicksal an der Menschheit vorbeigehen wird. Die Frage ist nur: Wie schnell geschieht das? Die Antwort hängt ganz allein davon ab, wie vernünftig wir Menschen mit unserer Existenz und dem Erdball umgehen.
Die Menschheit hat nur eine Chance: Sie muss die Bedingungen schützen, unter denen unser Leben auf der Erde möglich ist. Sie muss die Zahl ihrer Individuen nach und nach reduzieren – mehr als eine Milliarde verträgt unser Planet nicht, wie Hoimar von Ditfurth schon vor mehr als 50 Jahren dargelegt hat. Sie muss aufhören, Kriege zu führen; Kriege reduzieren zwar die Zahl der Individuen, aber auf Kosten erheblicher Umweltbelastungen. Sie muss das Klima schützen und die Meere wieder säubern, sie muss ihre Zielsetzungen von „höher, schneller, weiter“ auf „weniger, langsamer, umweltverträglich“ verschieben.
Wer jetzt denkt, man könne als Einzelne oder Einzelner doch gar nichts daran drehen, irrt. Von uns Einzelnen muss diese Vernunft-Bewegung zum Schutz des Lebens ausgehen. Je mehr wir werden, desto mehr können wir mitreißen. Je mehr Menschen sich vernünftig verhalten, desto vernünftiger entwickeln sich die Lebensbedingungen und desto überzeugender werden die positiven Veränderungen. Der Erde ist es egal, was aus der Menschheit wird. Und wie ist es mit dir?
Gastartikel von Detlef Träbert
„Schubs“-Schulberatungsservice
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