Kinder zum Aufräumen motivieren

[Gastartikel von Dipl. Päd. Detlef Träbert]
Kinder und Unordnung – das scheint zusammenzugehören wie Bratwurst und Senf. Dass ständiges Mahnen oder gelegentliches Schimpfen da nicht fruchten, ist eine Erfahrung, die wohl fast alle Eltern kennen. Es gibt jedoch auch sanfte und eher Erfolg versprechende Methoden. Eine davon stellen Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund in ihrem neuen Bilderbuch „Frieda hat keine Lust“1 vor.

Bärentochter Frieda, Hasenmädchen Lotte und Ente Merle spielen im Wohnzimmer der Bärenwohnung. Dabei haben sie ein großes Chaos angerichtet – der Teppich ist unter den vielen Spielsachen kaum noch zu erkennen. Als Papa Bär, der auf der Couch schläft, aufwacht und die Kinder angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit zum Aufräumen auffordert, möchten die Kleinen alles bis morgen stehen lassen, weil sie doch noch nicht fertig gespielt haben. Da erzählt ihnen Papa Bär von früher und der Keine-Lust-Sache.

Wenn sein Vater, der damals schon die Bäckerei Bärentatze führte, keine Lust zum Backen hatte, oder wenn seiner Mama morgens die Lust zum Verkaufen fehlte, blieb die Bäckerei einfach zu und alle hungrigen Tiere mussten ohne Frühstück wieder nach Hause gehen. Oder als er selber als Kind Zahnweh hatte und beim Zahnarzt Dachs auf dem Behandlungsstuhl lag, hatte der auf einmal keine Lust mehr, weiter zu bohren. Er ließ seinen kleinen Patienten einfach auf dem Stuhl liegen und bis zum nächsten Morgen warten. Papa Bär erzählt auch vom Briefträger Hirsch, der zu Weihnachten keine Lust hatte, alle Pakete auszutragen, und von den Wildschweinen, die für die Müllhalde zuständig waren. Als die keine Lust mehr hatten, den Müll abzuholen, versank das ganze Dorf in Abfall und Gestank. Auch die Familie von Häsin Lotte war damals betroffen, als die Dachdeckerin Storch das Dach lange Zeit nicht fertigstellen wollte, so dass die Familie viele Nächte lang nass wurde und frieren musste.

Natürlich wollen die drei Kinder nach diesen Erzählungen immer noch nicht aufräumen, sondern erst einmal hören, wie die Geschichte ausging. So erzählt Papa Bär von den Weisen, die Lust-Lose ins Dorf brachten und damit die große Kunst des Trotzdem-Machens verbreiteten. Aber das glauben die Kinder erst, als er ihnen das Lust-Los seines Vaters zeigt und erzählt, wie es half, ihm Schwung zu geben und gut gelaunt leckerstes Gebäck zu produzieren. In diesem Augenblick kommt Mama Bär nach Hause und schickt Merle und Lotte heim, während ihre Tochter Frieda auf dem Sofa einschläft. Mama Bär trägt sie ins Bett und beauftragt ihren Mann mit dem Aufräumen. Der hat dazu aber gar keine Lust, doch Mama holt ihm das passende Lust-Los aus der Kommode. Darauf steht: „Wenn du keine Lust hast, dann mach daraus ein Spiel!“ Da legt sich Papa Bär auf den Boden und schiebt alle Spielsachen geräuschvoll wie ein Schneepflug zu einem Haufen in der Zimmerecke zusammen. Das reicht, damit sich die Bäreneltern anschließend noch einen gemütlichen Abend am Kamin machen können.

Die Lust-Lose zu all den Episoden aus dieser fantasievollen Geschichte sind nicht nur am Ende des Buches abgedruckt, sondern man kann sie sich inklusive einem Blanko-Lust-Los zur eigenen freien Verwendung als pdf-Datei per QR-Code herunterladen. Das Wortspiel mit dem Lust-Los für lustlose Menschen macht richtig Lust, das Blanko-Los selber zu nutzen. Insofern wird dieses Bilderbuch für Kinder von vier bis acht Jahren nicht nur den Kleinen Freude machen, sondern auch alle Eltern inspirieren.

„Schubs“-Schulberatungsservice
Dipl.-Päd. Detlef Träbert
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  1. Stefanie Rietzler, Fabian Grolimund: Frieda hat keine Lust, illustriert von Marcus Wilke, Bern (Hogrefe Verlag) 2026, 64 S., € 15,00 (als E-Book im PDF-Format: € 12,99) ↩︎