Gebrauchsanleitung einer Badewanne

Stellen Sie sich in bequemer Haltung und mit aufmerksamen Blick vor das Zielobjekt, deren Optik und Funktion ich Ihnen im Weiteren näher zu erklären versuchen werde:

Vor sich sehen Sie ein mehr oder minder neuwertiges, modernes, vielleicht auch kostspieliges Zielobjekt (eine Badewanne – Marke einerlei).

Vor Ihnen steht entweder eine rechteckige Zeitgenossin mit nur ganz sanften Rundungen oder eine bauchige Zeitgenossin, deren merkwürdige Form selbst mir ein Rätsel ist.

Farblich existiert kein Standard. Die Farbe variiert von weiß, über rosa, über blau, bis hin zu tiefem Schwarz. Bestimmte Modelle des Zielobjekts (besonders kostspielige) weisen sogar Muster oder besondere Materialien auf. Alle Zielobjekte weisen im Schnitt viel Volumen für das kühle Nass auf.

Das Zielobjekt bringt Abstellmöglichkeiten, meistens in Form von Ecken oder Rundungen, die sich außerhalb seiner befinden, mit, die den Benutzer zum Abstellen seiner kosmetischen Habseligkeiten einladen.

In dem Zielobjekt selbst befindet sich ein runder Abfluss, der beim Abfließen des verunreinigten Wassers behilflich ist und auch dem Entfernen unerwünschter Haustiere dienlich ist..
Um diesen Abfluss zu verschließen, sprich damit das Wasser während eines ausgiebigen Mittwoch- oder Samstagbades nicht verschwindet, kann man ein Objekt zu Rate ziehen, das vom Volksmund als „Stöpsel“ bezeichnet wird, meistens von schwarzer Farbe ist, eine runde Form hat und an einer Kette hängt, die mit einer Halterung an dem Zielobjekt verbunden ist.

Zur Abschirmung unerwünschter Voyeure ist vor dem Zielobjekt meistens ein Behang angebracht, der treffenderweise die Bezeichnung „Duschvorhang“ trägt.

An der Wand direkt neben dem Zielobjekt oder am Ende desselben finden Sie zwei Wasserhähne und einen Duschkopf, der an einem Schlauch montiert und mit den Wasserhähnen verbunden ist. Der eine Wasserhahn spendet kaltes Wasser und der andere Wasserhahn stellt Ihnen warmes Wasser zur Verfügung. Wenn man den beiden Wasserhähnen zu einer Kooperation verhilft, indem man sie beide bis zu einem gewissen Grad aufdreht, kann man die Temperatur des Wassers regulieren (damit wird verhindert, dass es entweder zu starren Gliedern oder einer Verbrennung dritten Grades kommt). Sollte man den Duschkopf benutzen wollen, muss man ihn entweder von einer Halterung abziehen, der an der Wand befestigt ist oder man muss ihn von einer Halterung lösen, die sich oberhalb der beiden Wasserhähne befindet. Zudem betätigt man entweder einen Hebel oder einen Stöpsel, der sich am Wasserhahn tummelt.

Neben dem Zielobjekt hängt zur Abfrottierung des Benutzers meist eine Stange oder ein Haken, an dem wiederum man ein Handtuch findet, welches allerdings nicht zum prinzipiellen Badewanneninventar gezählt wird, sondern von jedem Benutzer individuell verschieden installiert werden kann.

Nach Belieben kann der Benutzer eine Einlage, sowohl für den Bereich ab Rücken als auch für den Bereich des Kopfes erhältlich, im Zielobjekt befestigen, was durch die Saugnäpfe unterhalb der Einlage einen praktischen Charakter erhält.

Weitere beachtenswerte Kleinigkeiten:
1. Achten Sie bitte darauf, dass das Zielobjekt niemand zuvor benutzt hat, da es sonst zu unliebsamen Kollisionen zwischen Ihrem Körper und dem Zielobjekt kommen könnte.
2. Achten Sie bitte darauf, dass an dem Zielobjekt kein Schild genagelt ist, das Sie zu seiner Benutzung auffordert, das heißt, dass das Zielobjekt seine reguläre Verwendung als notwendig ansieht. Falls Sie sich jedoch einmal zu einer länger währenden Abstinenz entschließen sollten, wird das Zielobjekt Sie dies spüren lassen! Sei es durch eine Selbstverschmutzung in Form von penetranten Randstreifen oder der Einladung von netten neuen Freunden. Oder sei es durch wütende Laute, die es fortwährend von sich gibt. Oder sei es durch „Benutze-mich-oder-Du-stinkst-weiter-wie-verfaulte-Eier“-Blicke, die es Ihnen beimisst. Fazit: Sie sollten Ihr Sozialverhalten gegenüber dem Zielobjekt genau überdenken!
3. Achten Sie bitte darauf, dass Sie das Zielobjekt immer ordnungsgemäß reinigen, da es sonst sowohl zu Materialschädigungen seinerseits und auch zu Gesundheitsschädigungen Ihrerseits kommen kann.
4. Achten Sie bitte darauf, dass Sie Ihrem Zielobjekt so viel Zuwendung wie möglich zukommen lassen und es nicht in einer zu aggressiven Art und Weise behandeln, da es sich sonst arge Verletzungen, in Form von Rissen in seiner zarten Guseisenbeschichtung, zuzieht und überdies kostbares Wasser verloren geht.
5. Achten Sie bitte darauf, das Zielobjekt nur bis zu seinem Überlauf mit Wasser voll laufen zu lassen, da Sie sonst ungewünschte Überschwemmungen verursachen, eine erhöhte Ausrutschgefahr besteht und Sie dem Zielobjekt im Extremfall sogar erhebliche Strapazen bereiten können, zum Beispiel indem Sie unsanft aus seinem sensiblen Rand landen oder Ihr schwerer Körper unsanft in seinem Inneren aufkommt, noch mehr Wasser überläuft, das Zielobjekt beschädigt wird und Sie Ihren eigenen Tod in Form von Ertrinken herbeiführen.
Wenn Sie alle Regeln befolgen, steht Ihrem zukünftigen Genuss des Zielobjektes kein Hindernis im Wege.