Vogelwahn – Neue Hiobsbotschaft für Fleischfresser

Die vor kurzem in Rheinland-Pfalz tot aufgefundenen Graugänse und Stockenten wurden negativ auf Vogelgrippe getestet. Doch die Freude darüber währte nur kurz, denn weitere Untersuchungen förderten Unglaubliches zu Tage. Die fleischverarbeitende Industrie steht vor dem Kollaps. Berlin reagiert.

In einer kurzfristig einberufenen Pressenkonferenz teilte Prof. Dr. Meise, Leiter des Veterinärmedizinischen Labors Neuwied mit, dass die Wildvögel an Bovine Spongiforme Enzephalopathie verendeten. Bovine Spongiforme Enzephalopathie ist hierzulande auch unter den Namen „BSE“ und „Rinderwahnsinn“ bekannt.

Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel. „Es konnten eindeutig die für BSE spezifischen Prionen nachgewiesen werden. Wir haben keine Ahnung, wie diese sich von Rindern auf Vögel übertragen konnten. Es ist schlicht und ergreifend unglaublich!“ so der um Fassung ringende Prof. Dr. Meise weiter.

Es gilt derzeit als nicht ausgeschlossen, dass im umgekehrten Fall auch Rinder und andere Säugetiere mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 infizieren werden könnten. Per Eilbeschluss verhängte die Bundesregierung daraufhin eine Stallpflicht für Rinder, Kühe und Schweine.

Neben den Landwirten, die aus Platzgründen teilweise dazu gezwungen sind, ihre Tiere für die Dauer der Stallpflicht in Wohnräumen unterzubringen, ist vor allem die fleischverarbeitenden Industrie Hauptleidtragende der neuen Hiobsbotschaft.

„Seit Bekanntwerden der Nachricht vor fünf Stunden haben genau zwei Leute die Metzgerei betreten. Der eine kaufte eine Cola-Dose und der andere sind Sie!“ bringt eine Fleischereifachverkäuferin aus Schweinfurt die schwindende Nachfrage der Konsumenten nach Fleisch jeglicher Art ZYN!-NEWS gegenüber auf den Punkt.

Aus Verzweiflung bieten einige Metzgereien mittlerweile auch exotischere Fleischsorten an. Doch die Verunsicherung der Verbraucher ist schlichtweg zu groß, als dass sie in der aktuellen Situation Eichhörnchen-, Gecko- oder Pinguinfleisch als ernsthafte Alternativen betrachten.

Der designierte Landwirtschafts- und Verbraucherminister Horst Seehofer (CDU) reagiert umgehend und kündigte an, die Gen-Forschung künftig stärker zu forcieren sowie entsprechende Gesetze anzupassen.

„Stellen Sie sich vor, es ist Fußball-WM und keiner grillt. Nur mit genmanipuliertem Fleisch können wir die Misere in den Griff bekommen und nächstes Jahr unbedenkliches Grillgut anbieten!“ äußerte sich eine Sprecherin des Ministeriums gegenüber ZYN!-NEWS.

Als falsch stellte sich derweil die Meldung heraus, dass erstmals auch ein mit dem H5N1-Virus infiziertes Salatblatt entdeckt worden sein soll. Mitarbeiter des zuständigen Labors gaben zu, statt dem Blatt selbst versehentlich am Salat haftende Rückstände von Vogelkot untersucht zu haben.

„Das war dreister und boshafter Versuch der fleischverarbeitenden Industrie, uns Vegetarier ebenfalls in den ganzen Schlamassel mit hineinzuziehen!“ wird ein aufgebrachtes Mitglied des Vegetarier-Interessenverbands ToFucK („Tafeln ohne Fleisch und chemischen Kram“) zitiert.

Mit freundlicher Genehmigung von R. Krauleidis

(Erschienen auf zyn.de – dem einzigen deutschen Satiremagazin)