Hatschi

Eine Erkältung ist der beste Beweis für die Unvollkommenheit des Menschen. Wieso lässt der Liebe Gott zu, dass mir in regelmäßigen Abständen sinnloses Zeugs aus der Nase läuft? Wieso wurde beim Bauplan des Homo Sapiens kein eingebauter Sekret-Filter berücksichtigt – ähnlich einem Rußpartikelfilter beim Auto? Ist gar mein Auto vollkommener als ich, da es einen Rußpartikelfilter hat und ich schneuzen muss?

Ein entscheidender Tag für die Geschichte der Erkältung war der 29.01.1929. Originellerweise ein Tag im Winter, der Hochzeit des Schniefen und Schneuzens. Unter der Warenzeichennummer 407752 ließen sich an besagtem Tag die Vereinigten Papierwerke Nürnberg die Marke „Tempo“ schützen. Heute benutzt jeder zweite die Eigenmarken von Aldi oder Lidl redet aber dankbarerweise trotzdem noch von „Tempo“ statt von „cien“ oder „kokett“. Die spannende Frage ist nun: gab es bereits Erkältungen von dem 29.01.1929 oder wurden diese zeitgleich erschaffen um für ein sinnloses Produkt gleichzeitig eine geeignete Zielgruppe zu kreieren? Leider kenne ich niemanden, der die Zeit vor 1929 bewusst miterlebt hat und mir meine These bestätigen kann. Wenn dem so war, war es eine Einzeltat oder wurde die selbe Vorgehensweise beispielsweise auch bei o.b. angewandt? Ich beschließe, mir darüber keine weiteren Gedanken zu machen und schnäuze erneut. Wie viel Zeit verbringt ein Mensch eigentlich mit einem Taschentuch vor der Nase und wie viel könnte er in seinem Leben mehr leisten, wenn dem nicht so wäre?
Ich gehe in Gedanken sämtliche mir bekannten Filme durch und mir fällt auf, dass man im Kino nie einen Helden niesen oder schneuzen sieht. Nehmen wir „Superman“ – wer eine Folge kennt, in der Clark Kent neben einem Zug herfliegt und nebenher heldenhaft in ein Taschentuch niest, soll sich bitte bei mir melden, denn das könnte in der jetzigen Situation mein angekratztes Ego aufpolieren… Oder Frodo aus „Herr der Ringe“ – der arme Hobbit durchkreuzt die halbe Welt in Regen, Sturm und Kälte und kommt erkältungstechnisch ungeschoren davon. Ich wiederum gehe nur einmal in einer zu dünnen Jacke Zigaretten holen und prompt nisten sich Hunderte von Viren in meiner Nasenschleimhaut ein. Okay, Frodo ist ein Hobbit und kein Mensch – das könnte ein möglicher Erklärungsansatz sein.

Ich erinnere mich an die Worte meines Hausarztes bei der letzten Erkältung: „Viel trinken – wenig rauchen!“. Also mache ich es mir mit einem Bier auf der Couch gemütlich und rauche eine Marlboro Menthol. Das sind ja keine Zigaretten im eigentlichen Sinn sondern Hustenbonbons in rauchbarer Form. Mein Arzt müsste somit sehr zufrieden mit mir sein! Und in drei bis fünf Tagen bin ich wieder wie Superman: ich kann zwar immer noch nicht fliegen, brauche jedoch kein Taschentuch mehr…

Mit freundlicher Genehmigung von R. Krauleidis