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Thermometer
Immer
alles so negativ sehen? Quatsch, so schlimm ist es gar nicht. Wie meine Oma
sagen würde „Es kann immer noch schlimmer kommen“. Gut manchmal
denkt man sich während man wieder mal so richtig knie Tief in der Scheiße
sitzt, wie das denn jetzt noch möglich sein soll.
Ich verrats euch: stellt euch vor, dass sich eure Knie auf Augenhöhe befinden
könnten. Nein, jetzt mal im ernst, man muss nicht alles immer so ernst
und furchtbar sehen. Ich zum Beispiel hab mich neulich mal auf ner echt beschissen
langweiligen Party wieder gefunden und anstatt zu sagen:„Ey, ist ja voll
scheiße.“, hab ich einfach mal die Klappe gehalten und noch nen
paar Bier mehr getrunken, dann ging’s ja doch eigentlich. Zumindest dachte
ich das, bis ich versucht hab mich auf zwei Beinen ohne Hilfsmittel fortzubewegen.
Doch was
red ich denn da? Ist doch gar kein Grund sich zu beschweren.
Also,
was ich herausgefunden habe ist, dass, sollte einen wirklich was ankotzen, hilft
immer der Gedanke das es immer noch jemanden gibt dem es wesentlich schlechter
geht. Also wenn ihr zum Beispiel wie ich, auf ner miesen Party seit, dann stellt
euch doch einfach mal vor wie es ist an nem Freitag- oder Samstagabend, alleine
zu hause rumzusitzen.
Oder was mir immer ein lächeln abringt, während ich bei der Arbeit
bin (ja ich arbeite manchmal sogar wirklich) und ich meinen Job einfach nur
echt Kacke finde, dann denk ich einfach an diesen Kerl, den viele noch aus einem
alten Witz kennen, der seine Arbeitszeit als Fieberthermometer-Tester verbringen
darf.
Also wenn ich mir mit meiner Fantasie (und die ist wirklich gut ausgeprägt)
vorstelle, dass mir jemand acht Stunden am Tag immer für jeweils drei Minuten,
nen Thermometer in den Hintern steckt.... also da freut man sich doch schon
über seinen gar nicht so üblen Job.
Wie das wohl aussieht? Der Kerl, wir nennen ihn mal Martin, kommt morgens zur
Arbeit ins Thermometerwerk. Geht am Pförtner mit ernster Miene vorbei,
denn er hat einen bedeutenden, wichtigen Posten und das weiß er, keine
Zeit für Smalltalk mit anderen Angestellten. Er ist der wichtigste Mann
der Qualitätskontrolle. Er ist die entscheidende letzte Kontrollstation
zwischen Erzeuger und Verbraucher. Quasi steht nur sein Hintern zwischen unserem
Hintern und dem Thermometer. Eigentlich ein beruhigendes Gefühl das wir
uns nicht allein auf die Maschinenfertigung verlassen müssen sondern noch
eine menschliche Instanz im Herstellungsprozess vorhanden ist.
Aber ist es wirklich nötig dass mein Thermometer schon mal jemand im Anus
hatte? Da bekommt der Ausdruck„das Thermometer ist im Arsch“ eine
ganz neue Bedeutung, und das schon kurz nach der Herstellung.
Aber wieder zurück zu Martin: kurz eingestempelt macht er sich auf zu seinem
Arbeitsplatz, ein kleines Büro im dritten Stock des Thermometerwerks. Er
hat den Luxus einer kleinen Umkleidekabine im Inneren seines Büros, so
dass er nicht mit den anderen Werksarbeitern in seine Arbeitskleidung steigen
muss. Kaum hat er alles ausgezogen und ist in seinen Kittel gestiegen klopft
es an der Bürotür. Es ist seine Assistentin und wer jetzt bei dem
Wort Assistentin an eine vollbusige Blonde Schwedin in knappem Minirock denkt,
dem wird der Anblick gar nicht gefallen: Ihr Name ist Annegret sie geht auf
die Sechzig zu, oder besser sie ist nur eine Armlänge davon entfernt, hat
bisher in einem forensischen Institut als Pflegerin gearbeitet und wurde leider
aus Kostengründen eingespart bzw. durch Zivildienstleistende ersetzt. Sie
hat Arme wie andere Menschen Oberschenkel und das Gesicht eines Boxers der schon
vor Jahren in den Ruhestand hätte gehen sollen. Nichts desto trotz ist
sie wie geschaffen für ihren jetzigen Job. Mit kühler Stimme begrüßt
sie Martin der ihren Gruß freundlich erwidert und sich auf der Liege in
der Mitte des Raumes bäuchlings bequem macht.
Sie zieht ihren Mantel aus geht zu den Stapeln mit den Thermometern die heute
getestet werden, nimmt auf einem Stuhl neben der Liege, in Reichweite der Thermometer
und einer Tube mit einer speziellen Gleit- und Wärmeleitpaste, platz. Ein
paar routinierte Griffe ein leichtes schmatzendes Geräusch, ein leichtes
Stöhnen von der Liege auf grund der Kälte, der Thermometer und ein
ganz normaler Arbeitstag beginnt.
Also ich führ meinen Teil werde meinen Job in Zukunft nicht mehr für
ganz so schlecht halten und ich hoffe ihr da draußen auch.
Vielen Dank
an alex-sagt.de.vu
für diesen Text.
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