Partyspaß
in sieben Stufen
Erste
Spaßstufe
Die Gäste sitzen gesittet am Tisch und nippen an ihren Kräuterteetassen.
Gelegentlich kommt eine leise Konversation über den Verfall von Moral und
Sitte, die Schädlichkeit des Rauchens und die Wirksamkeit homöopathischer
Arzneimittel auf. Brennende Kerzen und ein Sträußchen selbstgepflückter
Wiesenblumen sorgen für dezente Gemütlichkeit.
Gelegentlich wird vom Biogebäck genascht, während im Hintergrund leise
ein Klavierkonzert in Moll erklingt.
Die Gastgeberin reicht Fotografien vom letzten Ayurveda-Urlaub herum.
Auf der Toilette liegt ein neues Stück Lavendelseife und am Haken hängt
ein frisches Handtuch.
Die Katze schnurrt brav in ihrem Körbchen.
Spät am Abend gibt es ein Gläschen Apfelwein zum Salat.
Alle pinkeln im Sitzen.
Zweite
Spaßstufe
Die Gäste sitzen in lockerer Runde am Tisch und trinken einen Cognac zum
Kaffee.
Dabei essen sie Schwarzwälder Kirschtorte und unterhalten sich über
die Gesundheitsreform und die Schädlichkeit von Drogen.
Auf dem Balkon darf geraucht werden, die Krawatten verschwinden in den Jackettaschen.
Im Hintergrund läuft eine Schallplatte von den Beatles.
Der Gastgeber reicht Fotos von seinem letzten Urlaub in Griechenland herum,
während die anderen leise „Yesterday“ mitsummen.
Die Katze liegt auf dem Sofa und wird gestreichelt.
Auf der Toilette stehen ein Fläschchen mit Flüssigseife und ein Papierhandtuchspender.
Dritte
Spaßstufe
Die Gäste lümmeln überall in der Wohnung herum, Dresscode (Anzug
oder Kostüm, Baumwollschlüpfer) und Rauchverbot sind aufgehoben.
Die zweite Flasche Wodka ist gleich leer, auf dem Balkon brutzeln Würste
und Steaks über der Holzkohle.
In verschiedenen Gesprächsrunden wird lautstark über Politik, Sport
und Weiber diskutiert. Im Hintergrund grölt Curt Cobain aus den Boxen.
Es wird mit Erdnussflips geworfen.
Der Gastgeber reicht Nacktfotos von Pamela Anderson und Gina Wild herum.
Der Katze wird Bratwurst und Bier eingeflößt.
Auf der Toilette ist einmal auf die Brille gepinkelt.
Vierte
Spaßstufe
Die meisten Gäste liegen halbnackt auf dem Boden und spielen Flaschendrehen.
Diskutiert wird hauptsächlich über Ti****, Fi**** und die Unschädlichkeit
von Drogen. Zigarren- und Marihuanaqualm erschwert die Sicht auf die Stereoanlage,
aus der Marylin Mansons Stimme hämmert.
Man bewirft sich mit Bratwürsten, der Ketchup wird zusammen mit dem Kartoffelsalat
auf dem Parkett verteilt.
Die Gastgeberin macht eine Stripshow.
Der Gastgeber reicht Nacktfotos von seiner Geliebten herum.
Bier ist alle, Klopaper auch.
Die Katze wird sexuell massiv belästigt. Außerdem ist ihr schlecht.
Auf der Toilette ist einmal daneben gekackt.
Fünfte Spaßstufe
Allgemeiner Schwanzvergleich, die Gastgeberin belegt Platz 3.
Marihuana wird knapp. Wodka ist alle, das Rasierwasser des Gastgebers auch.
Erste Linien werden gezogen.
Meier hat Sex mit dem Staubsauger und isst anschließend das letzte Steak
seines Lebens.
Der Grill wird vom Balkon geworfen, damit mehr Platz zum Pinkeln ist.
Man mag sich nicht mehr unterhalten.
Die Musik von Jonny Rotten und der Sexpistols überschallt die Szene, bis
Lehmann rücklings in die Musikanlage stürzt. Zum Ausgleich wird lautstark
„I can get no satisfaction“ von Mick Jagger gesungen.
Erektionsprobleme häufen sich.
Ein Pärchen hat sich seit einer Stunde auf dem Klo eingeschlossen.
Die betrunkene Katze muss sich vom Bier übergeben und wird einer Darmspiegelung
vermittels Trinkhalm unterzogen.
Jemand hat auf den Flur geschissen.
Sechste
Spaßstufe
Ein erster nennenswerter Verlust ist zu beklagen! Meier ist vom Balkon gefallen
und hat sich das Genick gebrochen. Er wird von der grölenden Menge posthum
zum Partyking erklärt, seine frisch gebackene Witwe bekommt einen Lachkrampf.
Ein Stoßtrupp der noch kampffähigen Männer verjagt nackt mit
mehr oder weniger gezielten Flaschenwürfen die protestierenden Nachbarn,
trägt selbst aber auch gleichgewichtsbedingte Sturzverletzungen davon.
Kokain ist alle.
Die Gastgeberin wird von Lehmann und Schmidt auf dem Küchentisch geschwängert.
Müller wird depressiv, macht sich in die Hose und liegt weinend in der
Küche.
Schulze schläft beim Vögeln ein.
Man kann sich nicht mehr unterhalten.
Der Gastgeber bricht die Klotür auf, selber und zusammen.
Die Gäste, die noch bei Bewusstsein sind, machen zu „Wir versaufen
unser Oma ihr klein Häuschen!“ eine Schunkelpolonaise auf allen vieren.
Die Katze rettet sich mit einem Sprung auf den Nachbarbalkon vor dem Gegrilltwerden.
Allgemein wird viel erbrochen.
Siebente
und letzte Spaßstufe
Die Katze atmet auf, sie hat einen Kater.
Ein Pressefotograf schießt das Bild seines Lebens. Es trägt den Titel
„Wilde Sex- und Drogenorgie in Wuppertal endet in völligem Chaos“.
Die Polizei trifft ein und sorgt für Ruhe, ein Notärzteteam organisiert
die stationäre Einweisung der Alkohol- und Drogenvergifteten.
Bloß Meier muss zum Glück nicht mit, den holt der Bestatter.
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