Die Farbe des Stiftes
Ausschlaggebend
bei der Wahl der Stiftfarbe ist natürlich die Partei, die man wählen möchte.
Mit der Stiftfarbe wird eine gewisse Grundstimmung ausgedrückt, wer kennt das
nicht: ist man traurig, trägt man dunkel, ist man fröhlich, dann hell. So ist
der SPD das Rot inhärent, der CDU das Schwarz, den Grünen das … ähm … Grün!
und der FDP das Gelb.
Generell muss gesagt werden: keine falsche Scheu! Farben dürfen benutzt werden!
Sie erleichtern den Wahlhelfern ihre Arbeit – das Auszählen geht flinker von
der Hand, der Alltag wird fröhlicher, Farben ermuntern das Gemüt.
Das Kreuz
Endlich
ist es soweit, das erste Kreuz zu setzen. Ein Höhepunkt. Das Kribbeln zwischen
Daumen und Zeigefinger sich entlädt in purem Führungsgenuss. Der Stift eine
Verlängerung, bringt die politische Einstellung kurz und knapp auf den Wahlbogen.
Das Auge derweil versinkt in froher Farbe, die sich über das Weiß des zu 100
Prozent chlorfrei gebleichten Papiers verteilt.
Aber stopp! Kein Kreuzchen vor dem Kurs! Viel kann wieder falsch gemacht werden
und nur ein ehrliches Kreuz ist ein gutes Kreuz. Zu unterscheiden gibt es folgende
Typen:
Gute Kreuzchen sind:
a) Kreuz „DIN-08/15“
Wohlgeformt, hübsch und eingedeutscht ist der Kreuzchen-Import aus den USA von
1949. Es handelt sich hierbei um zwei sich exakt in der Mitte schneidenden Linien,
beide gleich lang, im rechten Winkel zueinander stehend und gedreht um 45 Grad.
(Quasi ein X). Jede Linie nicht länger als 1 cm und nicht kürzer als 5 mm.
b) Kreuz „Schnell und gut“
Gleicher Aufbau wie „DIN-08/15“, nur bestehen hier mehr Freiheiten. Exakte Einhaltung
der 45-Grad-Ausrichtung ist nicht erforderlich, es dürfen auch gerne 44 oder
46 Grad sein. Auch müssen sich die Linien nicht exak in der Mitte treffen und
es muss sich auch keine Normale bilden. Dieses Kreuz ist Standard und sollte
von jeder guten Wählerhand beherrscht werden.
Falsche Kreuzchen, oder eher: Jäger im Wolfspelz sind folgende: 
c) Kreuz „Peace!“
Speziell Menschen, die Grün als Stiftfarbe wählten, neigen dazu, auch
in ihrem Kreuz Zeichen zu setzen. Das drückt sich in einem umgedrehten Y (Mercedes-Stern)
mit Verlängerung der senkrechten Mittellinie nach unten hin aus. Aber: Das ist
kein Kreuz!
d) Kreuz „Kreuz“
Reiche Spender mit Hang zur Steuerhinterziehung wählen gerne ein Kreuz,
bestehend aus Y- und X-Achse, wobei die X-Achse unterhalb des oberen Drittels
der Y-Achse ansetzt. Nicht verstanden? Wir sprechen von einem gewöhnlichen Kirchenkreuz.
Das gibt Anhängern einer großen Volkspartei einen christlichen Kick bei ihrer
Stimmabgabe. Fragen Sie nicht! Aber: das ist kein gutes Kreuz!
e) Kreuz „Häkchen“
Viele Wähler machen einfach Häkchen (bestehend aus zwei Strichen, wobei
der linke kürzer als der rechte. Beide 45 Grad nach oben in entgegengesetzte
Richtung ausgrichtet, sich treffend in der Mitte unten). Das ist falsch! Häkchen
nix gut! Das sein gutes Kreuz: X. Auch zwei Striche, aber sich überKREUZend.
Wieso das verdeutlicht werden muss: alles andere verwirrt Wahlhelfer – zumeist
noch Schüler oder pensionierte Menschen (also generell: Obacht!). Somit: das
ist kein Kreuz!
Generell noch ein
wichtiger Hinweis: ein Wahlbogen ist kein Multiple-Choice-Test! Auch wenn Manipulation
am Volk vor der Wahl durch eingehende Propaganda stattfand, so sollen die gemachten
Kreuzchen aus Überzeugung geschehen und nicht, weil das Setzen derer Freude
bereitet. Zugegeben: verlockend ist es schon, mal so richtig fett zu kreuzigen,
zumal ja soviele Kästchen frei sind. Wer seinem Trieb freien Lauf lassen möchte
kann auf seine Stimme natürlich verzichten und die Mine rauchen lassen.
Wahl über Knopfdruck
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