BBQ
Der
Sommer ist da.
Millionen Männer
erwachen aus ihrem Tiefschlaf, erheben sich von der Couch und beschäftigen
sich fortan mit dem männlichsten aller Essenszubereitungsutensilien: dem
Grill. Doch der Grill ist kein bloßes Essenszubereitungsutensil, er ist
vielmehr das Sakrileg einer Ersatzreligion: Der Altar des Sommers.
Für Männer
ist Grillen das perfekte Alibi um Faulheit hinter scheinbarer Aktivität
zu verstecken. Da „er“ ja grillen muss, kann er sich folglich nicht
um profane Dinge wie die Salate und das Tischdecken kümmern. Was „sie“
allerdings nicht weiß: nach einer kurzen Vorbereitungszeit - bis die Holzkohle
einmal richtig glüht - läuft eigentlich alles von alleine. Der Mann
jedoch wendet im Sekundenrhythmus das Fleisch und macht es sich mit wichtigem
Überwachungsblick sowie einem Bier in der Hand neben dem Grill bequem.
Wichtig hierbei ist, die Frau im Glauben zu lassen, dass in diesem Stadium der
Zubereitung noch unendlich viel schief laufen kann und es deshalb dringend notwendig
ist, den Grill keine Sekunde aus dem Auge zu lassen. So ist es für den
Grillmeister folgerichtig unmöglich sich vom Selbigen zu entfernen, sei
es auch nur ganz kurz! Der Frau kommt somit neben der Salatzubereitung und dem
Tischdecken auch noch die ehrenwerte Aufgabe der Sicherstellung der Bierversorgung
des Grillmeisters zu. Diese kann, je nach Außentemperatur und Durst des
Grillmeisters schnell auch mal zu einem Fulltime-Job ausarten.
Während der
Grillmeister also am Grill herumsteht und Bier trinkt, hastet die Frau zwischen
Küche, Garten oder Balkon und dem Esstisch hin und her um einerseits die
Beilagen und die Tafel fertig zu stellen und andererseits das Wohl des Grillenden
im Auge zu behalten. Hierbei kann es unter bestimmten Voraussetzungen auch einmal
zu leichten Meinungsverschiedenheiten kommen - zum Beispiel wenn er freundlichst
nachfragt, was sein vor zweieinhalb Minuten geordertes Bier denn so macht und
ob sie denn denkt, selbiges hätte auf einmal Beine und könne alleine
zu ihm laufen. Falsch wäre in diesem Fall übrigens ein mit Bierflaschenwerfen
einhergehendes: „Nö, aber Flügel!“ als Antwort ihrerseits.
Hier ist etwas mehr Fingerspitzengefühl gefragt, denn schließlich
geht er ja gerade einer anspruchsvollen Tätigkeit nach, die sein gesamtes
Konzentrationsvermögen erfordert: er trinkt Bier.
Dann ist es auch
endlich soweit – alle sitzen am Tisch, inklusive des Grillmeisters. Naja,
fast alle: die Frau des Hauses pendelt natürlich immer noch hektisch zwischen
Küche und Tisch hin und her um auf- und abzutragen. Der Grillmeister selbst
betreibt indessen intensivstes Fishing for Compliments bezüglich des Geschmacks
seines doch recht angekohlten Grillgutes und lehnt sich als selbsternannter
Held des Abends selbstgefällig und zufrieden zurück.
Wichtig ist jetzt,
dass er sich erst einmal von den Strapazen erholt. Deswegen ist es ihm natürlich
auch unmöglich, beim anschließenden Abwasch und dem Putzen des Grills
aktiv mitzuwirken. Immerhin hat er heute schon gegrillt.
Der Sommer ist
da. Aber allen Geschädigten sei gesagt: er geht auch wieder… Dann
zieht er sich wieder friedlich und ruhig auf die Couch zurück: der Grillmeister.
Mit
freundlicher Genehmigung von R.
Krauleidis