Finnischer Bärendienst

Bräunbär „JJ1“ lässt sich dank tatkräftiger Unterstüzung aus Finnland einfangen. Aufgrund einer fatalen Verwechslung droht Bayern jedoch neues Ungemach aus der Tierwelt.

Als die in Helsinki gestartete Maschine der Finnair pünktlich um 17:30 Uhr Münchener Boden berührte, war für die Delegation des bayrischen Umweltministeriums die Welt noch in bester Ordnung. Die Herren waren auf dem Flughafen der bayrischen Landeshauptstadt erschienen, um finnische Bärenhunde Willkommen zu heißen und sie zu ihrem Einsatzort im bayrisch-österreichischen Grenzgebiet zu geleiten.

Die Bärenhunde hatten sich auf den Weg von Finnland nach München gemacht, um den Braunbären „JJ1″ aufzuspüren, welcher seit Wochen durch seinen gesegneten Appetit auf Schaf- und Hühnerfleisch für Angst und Schrecken an der bayrisch-österreichischen Grenze sorgt.

„Etwas komisch kamen mir die Bärenhunde schon vor“, gibt Franz W. Sepplhuber, ein Mitglied der Delegation des Umweltministeriums im Nachhinein zu. So hätte ihn verwundert, dass die Hunde schweres Gepäck bei sich gehabt hätten und sie, als die Jagd beginnen sollte, mitten im bayrischen Outback plötzlich nach Strom verlangten. „Aber auf den ersten Blick sahen sie nun mal eben so aus, wie man sich Bärenhunde vorstellt“, rechtfertigt sich Sepplhuber.

Doch spätestens, als die Gäste aus Skandinavien ihre E-Gitarren umschnallten, hätte die Verwechslung auffallen müssen. Es handelte sich bei den vermeintlichen Bärenhunden – so sollte sich später herausstellen – um die finnische Hard Rock-Band Lordi. Lordi hatten wenige Wochen zuvor mit dem Song „Hard Rock Halleluja“ den Eurovision Song Contest gewonnen. Die Band war ursprünglich für ein Konzert in der Olympiahalle nach München gereist.

„Jo mei, war das auf einmal laut!“ erinnert sich Sepplhuber an das ungeplante Open-Air-Konzert. Die Musik zeigte zunächst jedoch nur Wirkung auf Rot- und Schwarzwild. „Ein Reh war sofort tot, sieben weitere Rehe sowie eine Wildschwein-Familie müssen derzeit noch tierpsychologisch betreut werden“, so ein Sprecher des bayrischen Landwirtschaftsministeriums. Lordi dröhnten knapp eineinhalb Stunden vorwiegend Songs ihrer aktuellen Albums ins bayrisch-österreichische Niemandsland.

Kurz vor Ende des sehr speziellen Konzerts geschah dann das schier Unfassbare: Just, als die Band eine Zugabe ankündigte, verließ der Braunbär „JJ1″ mit erhobenen Tatzen sein Versteck – ein nahe gelegenes Gebüsch. Der zermürbt und gequält wirkende Bär ließ sich widerstandslos festnehmen. Tierschützer versuchen derzeit, das verstörte Tier mit klassischer Musik wiederaufzurichten.

Am späten Abend kam es in München zu einem weiteren tierischen Zwischenfall. Bei einem Konzert in der Olympiahalle wurden mehrere Besucher von Bärenhunden angefallen und teilweise schwer verletzt. Die Tiere wären auf einmal auf der Bühne erschienen und hätten sich von dort aus wahllos auf Konzertbesucher gestürzt, berichten Augenzeugen. Danach seien die Hunde ins Freie geflüchtet.

Mit freundlicher Genehmigung von R. Krauleidis