Der Erlkönig

2003
Wer surft so spät durch Nacht und Netze?
Es ist der User in wilder Hetze!
Er hält sein Windows fest im Arm,
und auch dem Modem ist schon warm.

‚Mein Windows, was birgst du so bang dein Gesicht?‘
Siehst, User, du das Virus nicht?
Den Trojanerkönig mit Macro und Wurm? –
‚Mein Windows – es ist nur ein Datensturm.‘

‚Betriebssystem, komm geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch‘ bunte WebSites sind an dem Strand,
und auf den Servern gibt’s viel Tand.‘

Mein User, mein User, und hörest du nicht,
was der Virus mir leise verspricht? –
‚Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
es piepst nur das Modem, das wieder mal spinnt.‘

‚Willst feines Windows, du mit mir gehn?
Mein Macro soll dich kitzeln schön,
meine Routinen werden die Bytes dir recht schütteln,
und löschen und deine Dateien gut rütteln!‘

Mein User, mein User, und siehst du nicht dort
Trojaners EXE am düsteren Ort? –
‚Mein Windows, mein Windows, ich seh’s genau;
es glimmt doch mein alter Schirm nur so grau.‘

‚Ich liebe dich, mich reizt deine DLL;
und willst du gleich booten dann lösch ich dich schnell.‘
Mein User, mein User, die Platte läuft an!
Trojaner hat mir ein Leid angetan!

Dem Surfer graust’s, er klickt geschwind,
und in der Leitung das Bit gerinnt;
er kappt die Verbindung mit Müh‘ und Not,
jedoch zu spät – der Bildschirm bleibt tot


Aus den 40er Jahren

Wer knattert so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Der Vater mit seinem Sohne Fritz
Auf BMW mit Soziussitz.

„Mein Vater, mein Vater, mir wird so bang,
Siehst Vater du nicht den Bahnübergang,
Der unüberwacht in nebliger Ferne?“
„Mein Sohn, wir haben ’ne Boschlaterne!“

„Mein Vater, siehst du dort jene Gestalt?“
„Sicherlich, sie rennt durch den Wald!“
Sie fahren mit hundert an ihr vorbei.
„Oh Vater, mein Vater, hörst du diesen Schrei?“

„Sei ruhig, mein Sohn, wir überfuhren sie,
Ich kanns nicht erklären, ich weiss nicht wie!“
„Mein Vater, siehst du den Schupo dort nicht
Mit Bleistift, Papier und strengem Gesicht?“

Mein Kind, mein Kind, das geht uns nichts an,
Wir haben ’ne falsche Nummer dran.
Und übrigens fahren wir viel zu schnell,
Jetzt ist es dunkel und nicht mehr hell.“
„Mein Vater, mein Vater, jetzt fahr aber zu,
Dort hinten kommt einer auf NSU“
„Wir lassen uns von diesem nicht schlagen!!“
Will Fritz in der nächsten Kurve sagen.

Doch zu schnell gehts, er schnappt nach Luft,
Weil der Vergaser so fürchterlich pufft.
„Mein Sohn, mein Sohn, das erklär‘ ich dir später,
Der hat doch nur zwei Kubikzentimeter!“

Es dröhnet und kracht,
Das Unheil rast durch die Nacht.
Die Telephonstangen werden zu Wänden.
Der Vater zittert und friert an den Händen.

Sie fahren wie Schurken die Straße dahin,
Es schwindet ihnen Verstand und Sinn.
Dem Vater grauset’s, er gibt mehr Gas:
„Halt‘ dich, mein Sohn, sonst passiert noch was!“

Er erreicht als erster das Haus am Meer…
Der Sozius hinter ihm……. war leer.